CoCon Verlag

cocon_logo_72webEs war einmal … Im November 1989 saßen vier Freunde zusammen und spekulierten über die neue politische Situation. Die DDR war ex und die Grenze offen.
Die Vier, das waren Rainer und Robert Elbe, Joachim und Annette Schulmerich. Das nahe gelegene Thüringen soll doch so schön sein. Zwar gab es „drüben“ kaum Hotels, aber wie wär‘s mit Tagesausflügen beim Nachbarn Thüringen? Plötzlich stand die Idee im Raum, daraus ein Buch zu machen. Rainer Elbe sollte die Region erwandern, Joachim Schulmerich und Robert Elbe steuerten ihre Erfahrungen, die sie bei Buchprojekten in der Schule erworben hatten bei, und Annette Schulmerich koordinierte die utopisch anmutenden Träume.
Noch am gleichen Abend wurde der Verlagsnamen gefunden: Cocon. Alle warteten gespannt, was für ein bunter Schmetterling daraus flattern würde.
Am 30. März 1990 war es soweit. Der „Besuch beim Nachbarn Thüringen“, das Buch mit der ISBN-Kürzel 1 kam aus der Druckerei. Den Vertrieb übernahmen Freundinnen und Freunde, Bekannte und Verwandte, die mit dem Auto durch die Gegend fuhren und Buchhändler direkt ansprachen. Wir reden hier von einer Zeit als es noch kaum PCs gab geschweige denn E-Mails. Das verlagseigene Faxgerät bedeutete schon den Höhepunkt des Fortschritts. Die Druckdaten wurden auf Diskette gespeichert und per Boten an die Druckerei gebracht. Scanner? Fehlanzeige. Die Bilder mussten mit der Hand in die Filme eingeklebt werden.
Aber der Erfolg des Erstlings animierte zum Weitermachen. Radfahren, Wandern mit Freunden im Spessart, Vogelsberg und Kinzigtal wurde das Freizeitvergnügen der Familie Schulmerich. Nicht immer zum Vergnügen der Kinder, die öfter mal stöhnten und fragten: „Wie weit ist es noch?“
Als Ausgleich wurden Kneipen besucht und alle Teilnehmer durften mitessen und –kritisieren. Erstaunlich viele Menschen beteiligten sich mit Hinweisen, Tipp und Buchbeiträgen „Nix für lasche Waden“ und „Vom Lustgewinn beim Speisen im Freien“ waren die ersten Erfolgsschlager. („Bestseller“)
CoCon_Bild25 Jahre sind mittlerweile vergangen. Weit über 200 Bücher in diesen Jahren erschienen. Zu den Ausflugsbüchern sind Bücher zur Regionalgeschichte getreten. Judaica und Aufarbeitung des Nationalsozialismus bilden dabei den Schwerpunkt. Der Verlag gab den Anstoß, dass der in Hanau geborene „erste jüdische Maler“ Moritz Daniel Oppenheim wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geriet. Ein besonders opulentes Werk ist den Hanauer Stillebenmalern gewidmet. Als hundertste Buch erschien der Bildband über Wilhelmsbad. Als „Renner“ erweisen sich heute die Bücher der Kleinen Hessenreihe. Die Apfelweinbücher und die Rezeptbücher Handkäs‘-Kompositionen, Grüne Soße oder Hessen-Tapas müssen regelmäßig nachgedruckt werden.
Die „Region“, die vom Verlag erschlossen wird, konnte ständig erweitert werden. Wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg war, dass es dem Verlag gelungen ist, den Frankfurter Markt zu erschließen. Die Bücher über den Frankfurter GrünGürtel, die Frankfurter Caféhauskultur oder die Barszene gehören zu den auflagestärksten. Auch innerorganisatorisch hat sich einiges getan. Eine Geschäftsführerin wurde eingestellt. Eine Auszubildende hat den Abschluss als Bürokauffrau erreicht. Ein junger Mann wurde inzwischen zum Medienkaufmann ausgebildet.
Der Verlag ist aus den Kinderschuhen herausgewachsen und hat sich im Buchhandel als einer der führenden hessischen Regionalverlage etabliert. Trotz der überraschend positiven Entwicklung verkennen die Eigentümer Annette und Joachim Schulmerich nicht, dass es nicht einfach ist, diesen Erfolgskurs weiter zu steuern. In einer Zeit, in der viele– auch große – Verlage schließen müssen und viele Menschen sich über das Internet informieren, ist dies kein leichtes Unterfangen. Es gelingt auch nur mit viel Engagement und der Bereitschaft, für kleines Geld kreative Arbeit zu leisten.

www.cocon-verlag.de